Tagung: Diversität (ent)Grenzen?! 12.-13. Februar 2018

 
+++Rückblick+++

Am 12. und 13. Februar 2018 fand im Felix Klein Hörsaal im Neuen Augusteum und verschiedenen Seminarräumen der Universität Leipzig, die internationale und interdisziplinäre Fachtagung des Gleichstellungsbüros „Diversität (ent)Grenzen“, in Kooperation mit dem Stifterverband, dem Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst und der Koordinierungsstelle zur Förderung der Chancengleichheit an sächsischen Universitäten und Hochschulen, statt.

Da das Thema der Erarbeitung von Diversity-Strategien an Hochschulen und Institutionen schon seit einigen Jahren präsent ist, wollte die Universität Leipzig einen Schritt weiter in Richtung Diversity 2.0 gehen und den Fokus auf die Implementierung von Diversity-Strategien und Diversity – Controlling in universitäre Strukturen legen.

Dafür galt es zunächst die kritische Reflexion und Evaluation bereits angestoßener Veränderungsprozesse in den Mittelpunkt zu stellen, um dann gemeinsam Themen wie Herausforderungen des Diversity – Monitorings, Exklusionsfolgen der diversitätssensiblen Praxis, Rassismus, Migration, den Transfer inklusiver Konzepte sowie Zukunftsstrategien zu diskutieren.

 

Gleich zu Beginn wurde den Teilnehmenden und ReferentInnen mit dem neuen Format des „Science Dating“ die Möglichkeit des Austausches und der Vernetzung gegeben, bevor die Tagung mit der offiziellen Begrüßung durch den Prorektor für Entwicklung und Transfer der Universität Leipzig, Prof. Dr. Thomas Lenk und den Gleichstellungsbeauftragten der Universität Leipzig, Georg Teichert eröffnet wurde. 

Nach der Begrüßung folgte die erste Keynote durch Dr.in Daniela De Ridder (CEDIN-Consulting), die die Kluft zwischen Bildungsauftrag und Wertedebatte sowie Vielfalt als Herausforderung für Hochschulen thematisierte.

Mit dem Fokus auf den aktuellen Stand von Diversity - Arbeit folgten zwei Vorträge von Dr.in Natasha A. Kelly über „Rassismus – ein altes Problem in neuem Gewand“ und Prof.in Dr.in Sheila Riddell von der University of Edinburgh zum Thema „Inclusion in Europe – Progress & Challenges“, um den europaweiten, aktuellen Stand zu erörtern.

Im Anschluss ging es für die TeilnehmerInnen in die erste Workshop-Phase, welche am ersten Tag insbesondere der kritischen Reflexion galt. Den TeilnehmerInnen standen vier verschiedene Workshops zur Auswahl, deren Ergebnisse im Anschluss zur gemeinsamen Auswertung zusammengetragen wurden.

Dr.in Caroline Richter von der Ruhr – Universität Bochum referierte in Ihrer Gruppe über „Inklusion und Chancengerechtigkeit – (k)ein Thema im Wissenschaftssystem“. Im Workshop von Dipl.-Soz.Wiss. Karl-Heinz Stammen von der Universität Duisburg – Essen lag das Augenmerk auf Diversity Monitoring und den Herausforderungen bei der Messung von Vielfalt. Als Referentin der Universität Leipzig informierte Dipl. Psych. Annett Ammer-Wies von der psychologischen Beratungsstelle für Lehramtsstudierende über die Art der Begegnung mit Menschen mit psychischer Beeinträchtigung und das Instrument der kollegialen Reflexion, während Annemarie Eifler von der Goethe Universität in Frankfurt a.M. „Wandel und Wiederstände sowie Diversity-Policies als Veränderungsprozess“ in ihrem Workshop thematisierte.

Zum Abschluss des Tages ging es zum Abendempfang in den alten Senatssaal über. Musikalisch bereichert von Thonkunst, einem inklusiven Chor des Thonberg-Zentrums unter Leitung von Helmar Leipold. Darüber hinaus freuten sich die Anwesenden über einen Beitrag des Leipziger Poetry – Slammers André Herrmann.

 

Der zweite Tag der Tagung startete mit einer Keynote der ehemaligen Konrektorin der Universität Bremen, Prof.in Dr.in Yasemine Karakaşoğlu zum Thema „Diversity – Management im Spannungsfeld von Differenzsensibilität, Rassismuskritik und internationalem Wettbewerb“ gefolgt von einem Vortrag von Ass. Prof.in Kimberly A. Griffin von der University of Maryland, USA, zum Thema „Creating environments reflecting diverse cultures in higher education”.

Im Anschluss ging es in die erste von zwei Workshopphasen, welche insbesondere Zukunftsperspektiven in den Mittelpunkt stellte, wobei der Workshop der Referentin Dr.in Laura Dobusch von der Radboud University Nijmengen, NL zum Bedauern aller leider ausfallen musste.

Somit referierte in den beiden Workshop Phasen M.A. Peggy Piesche vom Gunda – Werner Institut in der Heinrich–Böll–Stiftung über diversitätsbezogene Rassismus- und Machtkritik mit dem Ziel „Rassismuskritischer Diversitätsarbeit für alle“. Dr.in Birgit Rothenberg und Dr.in Ute Zimmermann von der Technischen Universität Dortmund zeigten gemeinsam unter dem Slogan „Von der Einzelfallberatung zur Strukturreform“ Wege zum Transfer inklusiver Konzepte auf weitere Diversitätsdimensionen auf. Mag.a Sonja Lydtin von der Wirtschaftsuniversität Wien, AT, stellte deren Leistungsbewertungssystem „uLIKE“ zur Berücksichtigung unterschiedlicher Dimensionen und Lebenskontexte in Einstellungsverfahren vor. 

Abgerundet wurde der zweite Tag durch einen Vortrag von Dr.in Anja Gottburgsen vom Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung zum Thema „Intersektionalität – Das vergessene Stichwort“, bevor durch Georg Teichert der offizielle Tagungsabschluss mit einem Ausblick auf Zukunftsperspektiven moderiert wurde.

Die spannende und diskussionsreiche Tagung gab somit wegweisende Ansätze zur Implementierung von Diversity – Controlling in universitäre- und öffentliche Strukturen und eröffnete neue Perspektiven in der Umsetzung diversitätsgerechter Ansätze. Hervorgehoben wurden jedoch auch Problemfelder der verschiedenen Diversity-Dimensionen und deren Verknüpfung, sowie Lösungsansätze und es wurde ein umfangreicher Austausch zwischen den VertreterInnen der verschiedenen Institutionen aus Politik, Universitäten und Hochschulen ermöglicht.

 

Fotos: © Swen Reichold, Gleichstellungsbüro der Universität Leipzig, Philipp Klemm, Jan Tschatschula

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